Noch 3 Tage und dann ist Weihnachten. Ziemlich unfassbar für uns Volunteers hier. Gerade die letzte Woche war wohl einer der heißesten seitdem ich hier bin (und Januar/Februar werden wohl nochmal heißer *stöhn*). An dieser Nichtweihnachtsstimmung der Nordhalbkugelbewohner hilft auch kein Weihnachtsshoppen oder Dekorieren. Die zwei übrig gebliebenen Volunteerhäuser (Haus 21 mit Ben und mir und Haus 10 mit Rosa, Palmer und Lauren) haben untereinander einen kleinen Dekorierwettkampf. Und ich glaube wir haben gewonnen. Wir haben einen Plastikweihnachtsbaum mit ganz vielen gefaketen Geschenken, Grippenfiguren, Weihnachtsgirlanden, Weihnachtskrank, Weihachtssocken (ist was Amerikanisches), Lichterketten und einen leuchtenden Weihnachtsmann an den Fenstern. Aber das Beste ist; wir haben Schnee. Wir haben ein kaputtes Kissen geschlachtet und die Füllung an einigen Stellen verteilt, außerdem haben wir uns Schnee aus der Sprühdose gekauft und auf Spiegeln und Fenstern gesprüht. Generell ist Südafrika aber total Weihnachtsunkommerziell, selbst in unserer Kirche weißt überhaupt nichts auf Weihnachten hin. Kein Baum, keine Krippe, und kein Advent.

Schon seit einigen Wochen haben unsere Kinder ihre großen „Sommerferien“ und bis auf 4 Kinder haben es auch alle in die nächste Klasse geschafft, was anscheinend nicht schlecht ist. Ferien für die Kinder heißt mehr Arbeit für uns, weil die Kinder den ganzen Tag in Lily sind und versorgt und unterhalten werden wollen. Das ist ein weiterer Grund, neben der Hitze und nur noch der Hälfte der Volunteers, warum wir Volunteers alle gerade ziemlich geschafft sind. Ein paar Handvoll Kinder sind allerdings über die Ferien „Heim“ zu ihren Verwanden. Das sind aber nur in den wenigsten Fällen Elternteile, meistens gehen sie zu Tanten/Onkeln oder zu Großeltern.

Eine größten Teils traurige Sache der Vorweihnachtszeit sind die vielen Partys, die für die Kinder veranstaltet werden. Zur Weihnachtszeit fällt vielen Leuten ein (das sind meistens Firmen oder Organisationen), dass sie vielleicht etwas für die „armen Waisenkinder“ tun können. Diese kommen dann vorbei, bringen nen Haufen Süßigkeiten und Essen mit, schießen ein paar „Beweisfotos“ ihrer „guten Taten“ und verschwinden wieder. Klar die Kinder freuen sich und haben ihren Spaß, aber ich glaube, dass das Motiv oft nur das Aufpolieren des Image ist. Und das alle paar Tage anzusehen, macht keinen Spaß.

Wie dem auch sei, eine Party hat sogar mir gefallen. Alle Kinder und Hausmütter, Warren und Sungmin und einige Volunteers (nur die, die gefahren sind...es gab nicht mehr Platz in den Autos) sind den ganzen Tag zu Duck'n Deck gefahren. Das ist ein halbstündig entfernter Steichelzoo, welcher ein ziemlich großes Programm nur für Lily auf die Beine stellt. Neben dem Steichelzoo, gab es Ponnyreiten, eine Hüpfburg, einen Spielplatz und natürlich ein Haufen Essen ;-) Aber das Einzigartige an der Party sind wohl die individuell verpackten Geschenke, für jedes einzelne Kind, die vom Weihnachtsmann persönlich überreicht wurden. So wie ich das verstanden habe, konnten die Kinder im Vorfeld eine Wunschliste schreiben, auf die wenn möglich Rücksicht genommen wurde. Die Party war ein voller Erfolg und wirklich jeder war glücklich.

Und natürlich hatten auch unserer Angestellten ne Christmas Party. Alle von Lily, Makaputo (dem anderem Waisenheim) und dem Community-Center haben sich im Com-Center für ein Braai getroffen um dann später ins Kino zu gehen. Das heißt, dass wir 5 Volunteers absolut alleine mit etwa 100 Kindern von klein bis groß waren (Allerdings war glücklicherweise noch ein Freund von mir aus Morphela da, der uns vor allem mit seinem Zulu bei den kleineren Kindern ne riesen Hilfe war). Uns wurde echt nicht zu wenig versprochen. Alle schlechten Erwartungen haben sich erfüllt ;-) Um es zusammenzufassen: Ich bin froh bei der nächsten Christmas Party von unserem Staff nichtmehr hier zu sein. Damit wir alle Kinder im Auge hatten und damit die Kinder die Essensvorräte nicht plündern wurden alle Häuser abgeschlossen. Hauptsächlich haben wir uns in den Räumen der Nursery und des Homeworkclubs aufgehalten, weil es zum draußen Spielen viel zu heiß war. Neben vielen schreienden und vollgepinkelten Kindern hatten wir auch nen bewusstloses Kind... Dies alles führte zu ner ziemlichen stressigen Atmosphäre die den ganzen Tag über Lily lag. Zusätzlich musste ich früh morgens bevor alles begann Baumaterial von A nach B mit unserem Truck befördern, da Eugin, der das eigentlich gemacht hätte, mit der Partyvorbereitung beschäftigt war. Nach 11 Stunden war dann glücklicherweise alles vorbei und ich bin totmüde ins Bett gefallen. Obwohl wir uns gerade in der Vorweihnachtszeit befinden und gerade viele Partys für die Kinder veranstaltet werden geht es Lily of the Valley Endeavours finanziell so schlecht wie schon lange nichtmehr. Alle Investitionen die nicht absolut notwendig sind wurden eingefroren. Auf der ganzen Welt ist es so und auch in Südafrika, wenn gespart werden muss fängt man bei den Angestellten an. So kriegen jedes Jahr unsere Hausmütter etwa 180 Euro Weihnachtsgeld, welches in etwa der Größenordnung eines Monatsgehalts entspricht. Dieses Jahr allerdings bekommen sie nur knapp 50 Euro. Damit geraten viele in enorme Schwierigkeiten. Sie benötigen das Geld nicht nur für Weihnachten sondern vor allem auch für Schul- und Unigebühren die im Januar fällig werden. Die allgemeine Stimmung der Arbeiter ist also alles andere als rosig gerade!

Wer also nicht weiß wohin mit seinem Geld, ich wüsste da ne Top Investition! http://www.lilyofthevalley.org.za/

In diesem Sinne frohe Weihnachten im kalten Deutschland!!!