12 Tage - 3200 km - Jonny und Ich und nen Haufen Spontanität

Da Jonny uns schon wieder in einem Monat verlässt und bald die arbeitsreichen „Sommerferien“ anfangen war es Zeit für uns zwei Jungstars in Lily einen Roadtrip nach Kapstadt zu unternehmen.

Wir wurden am Freitag den 7. Nov früh morgens von Ben und Rosa am Durban Airport abgesetzt um unseren fahrbaren Untersatz für die nächsten 9 Tage abzuholen. Einen weißen Opel Corsa mit 5000 gefahrenen Kilometer. Zu unserer Überraschung hatte es einen CD-Player, das erste Ziel war also ein CDLaden. Wir kaufen uns Best of Raggea, Sean Paul und James Blunt. Puuh von denen kann ich jetzt nichts mehr hören! Da die 4 Mädels und der Dr. vom Community-Center für das Wochenende nördlich nach St. Lucia gefahren sind, haben wir uns spontan entschlossen uns ihnen anzuschließen, was auch meinem Daumen mehr Zeit zum heilen gab. Nach ner genialen, kostenlosen Stadtrundfahrt kannten wir uns dann auch in St. Lucia ziemlich gut aus. Ein netter Einheimischer hat uns mit seinem Jeap mitgenommen, nachdem wir uns etwas verlaufen haben...

Der gemeinsame Abend war relativ kurz, da wir am nächsten Morgen um 5 losgefahren sind um in den nicht weit entfernten Nationalpark zu fahren (Den Namen kann ich immer noch nicht aussprechen, aber es ist ein Big 5, das heißt es gibt: Elefanten, Wasserbüffel, Rhinos, Löwen und Leoparden). Leider haben wir außer dem Wasserbüffel und den Elefanten aus 3 km Entfernung nicht viel mehr gesehen als in Tala. Nachdem das also nicht der größte Erfolg war haben Jonny und ich uns von den Mädels und dem Doc verabschiedet und sind südwärts gefahren. Unser Plan war die Nacht durchzufahren und in Port Elisabeth nen schönen Sonntag zu haben. Wir hatten auf der Autobahn wohl einen Schnitt von unter 100 um unser Benzin zu sparen und das ist echt ein Reisen was ich noch nicht kannte, in Deutschland war ich immer schneller ;-) Naja auf diese Weiße ist es billiger und man kann echt mehr sehen, aber leider haben wir dadurch für unseren Zwischenstopp nach Port Elisabeth 16 h gebraucht. Es war aber erträglich, da wir uns alle paar Stunden abgewechselt haben und sich der andere auf der Rückbank nen Schläfchen gegönnt hat. Auf der Fahrt habe ich meinen ersten eindrucksvollen Sonnenaufgang in Afrika gesehen, außerdem hab ich mein ersten Katzenartiges Tier volle Kanne mitgenommen. Komische Sache, aber es hieß Graben oder Tier, da fiel die Wahl nicht allzu schwer. Morgens um 11 in Port E. hatten wir traumhaftes Wetter und wir wollten nach einem kurzen Mittagsschlaf die Stadt erkunden. An dieser Stelle ist aber unser guter Plan gescheitert, da wir bis um 6 im Bett lagen. Noch ein paar Minuten haben wir die Sonne gesehen, sehr viel haben wir also von Port E. nicht mitbekommen, aber alle haben uns versichert, dass wir da nichts verpasst haben. Also sind wir am nächsten Morgen nach Jeffreys Bay gefahren, was wohl DER Surfspot in Südafrika ist. Wir haben unsere Nächte übrigens in Backpackern verbracht, die ner Jugendherberge ähneln , nur dass man nur 7-10 Euro die Nacht bezahlt. Naja auf alle Fälle war alles von der Stadt zum Backpacker bis zum Strand viel schöner als in Port E. Nachdem wir im Backpacker eingecheckt haben, haben wir uns als erstes nen Surfbrett geschnappt und sind surfen gegangen. Die Wellen waren zwar an dem Tag nicht das Überragenste, aber man muss mal in J'Bay gesurft sein. Ich wär da wohl noch gern ein paar Tage mehr geblieben, allerdings mussten wir weiter nach Kapstadt und es war auch kein Strandwetter mehr. Auf dem Weg zu unserem nächsten Zwischenstop in Mossel Bay, hielten wir am weltgrößten kommerziellen Bungy-Jump. Von einer Plattform unter der Autobahnbrücke (Bloukrans Bridge) ging es 216 m runter. Die Anlage lief seit 10 Jahren unfallfrei und die Crew war total lustig, sie hatten sogar nen DJ auf der Plattform ;-) Naja was soll man viel sagen, der freie Fall war atemberaubend, ich würds jedem empfehlen! In Mossel Bay war das Wetter noch schlechter und stürmischer und so blieb uns nach einem kleinen Braai nicht viel mehr übrig als das Nachtleben in Mossel Bay an einem Dienstag Abend zu erkunden. Es gibt nicht viel spannendes zu berichten, sehr viel los war nicht. Aber Jonny wollte es an diesem Abend wohl wissen und so wurde es zumindest noch ein bisschen lustig, außerdem haben wir den ein oder anderen „interessanten“ Menschen getroffen ;-)

Das Wetter war immer noch absolute Katastrophe, also haben wir uns am nächsten Morgen direkt auf dem Weg nach Kapstadt gemacht, eigentlich früher als geplant. Ich bin gefahren und Jonny hat die meiste Zeit gepennt. Da Autobahn ziemlich langweilig ist haben wir uns für eine Alternativroute entschieden, was eine ziemlich geile Idee war. Ich bin durch nen Haufen Schlamm und einem kleinen Fluss gefahren und hab wohl ziemlich krasse Landschaften gesehen. Mich beunruhigte zwar, dass wir keinen Handyempfang hatten und nur alle paaaar Kilometer ne kleine Farm war, aber ich hatte trotzdem meinen Spaß, unser Corsa hat sich echt als geländetauglich herausgestellt ;-)

In Kapstadt sind wir dann durch den nicht kürzesten Weg erst Abends angekommen. Nachdem wir eine der Hauptstraßen, die Long Street, gefunden hatten, haben wir uns auf den Weg gemacht um ein Backpacker zu suchen. In den ersten 3 Minuten wurden wir 2 mal gefragt ob wir nicht „Was“ kaufen wollen. Und auch die nächsten Tage haben wir nicht weniger Drogendealer gesehen. Nachdem das 2te Backpacker schließlich Betten frei hatte sind wir ziemlich zeitig nach einem Long Street Cocktail ins Bett gegangen, da wir beide ziemlich fertig waren. Leider haben wir ein Zimmer direkt über ner Bar erwischt, das war nicht so cool.

Diese Erfahrungen, und die Tatsache, dass sicheres Parken ziemlich teuer ist hat uns dazu bewogen Kapstadt erstmal wieder zu verlassen und die letzten Tage bis Samstag mit unserem gemieteten Corsa zu genießen. Unsere Nasen führten uns nach Simonstown, wo wir ziemlich süße Pinguine gesehen haben teilweise echt aus 1 m Entfernung. Nach den goldigen Pingus haben wir auf dem Weg ans Kap der guten Hoffnung ziemlich geile Affen gesehen. Und das alles in freier Wildbahn ohne viel zu suchen. Da kackt jeder Nationalpark ab! Der Besuch am Cape Point und am Cape of Good Hope war jetzt nicht das specktakulärste, aber man muss ja mal da gewesen sein. Die nächsten zwei Nächte verbrachten wir in Stellenbosch, eine Universitätsstadt kurz vor Kapstadt. Zuerst landeten wir unwissend in einer ziemlichen Afrikansbar, dort hat sich sogar der Jonny fremd gefühlt. Da dort außerdem nur ältere Semesterjahrgänge waren haben wir uns zu der Location durchgefragt, wo alle Erstsemester anzutreffen sind. Da haben zwar auch die Meisten Afrikans gesprochen aber trotzdem wars nen schöner Abend. Die Umgebung ist sehr für ihren Wein bekannt und die meisten machen wohl eine Weintour wenn sie da sind. Also mussten wir auch auf eine Weimfarm. Allerdings nicht um Wein zu kosten sondern um Quad (vierrädrige Motorräder) zu fahren. Nach einer endlosen Sucherei haben wir es dann gefunden und nachdem wir freundlich darauf hingewiesen wurden, dass wir für jegliche Schäden am Quad selber haften ging es los. Nach einer Minute hat unser Guide einen gespannten Draht übersehen und seinen Gashebel geschrotten. Das hat Mut gemacht. Kurz darauf hat er mit seinem neuen Quad ne Menge Draht auf seine Achse aufgewickelt. Das waren aber die einzigsten Zwischenfälle, wir wurden zum Glück verschont. Es machte auf alle Fälle nen heiden Spaß durch die Weinberge zu heizen!

Am Samstag haben wir dann um Geld zu sparen unser Auto abgegeben, da man in Kapstadt selber auch ziemlich günstig mit Taxis mobil ist. Doch davor sind wir am Morgen rauf zum Tafelberg gefahren. Nach über ner Stunde anstehen und nem netten Tratsch mit zwei älteren Schweizerinnen, mit denen wir dann ein Familienticket geteilt haben ging es rauf auf den Tafelberg von dem man wohl den geilsten Blick auf Kapstadt hat. Nachdem man an unserem ersten Kapstadtbesuch, paar Tage zuvor, vor lauter Wolken keinen Tafelberg gesehen hat, hatten wir jetzt am Samstag perfektes, sonniges Wetter, welches sich auch bis zu unserem Abflug hielt. Nachdem wir dann genug Panorama genossen haben sind wir mit der Gondel wieder runtergefahren, haben ein anderes, gemütlicheres Backpacker bezogen und haben unser Auto abgegeben. Anschließend haben wir uns mit Philipp getroffen, meinem Freund aus Stuttgart, mit dem ich alle Vorbereitungsseminare besucht habe. Anschließend haben wir Anil getroffen, ein Schulkollege von Philipp, der ziemlich das Gleiche macht wie wir in Durban. Außerdem waren noch die anderen Volunteers dabei aus Anils Waisenheim. Zusammen sind wir dann nach Camps Bay an den Strand gefahren und haben zusammen ne ganze Wassermelone gegessen. Baden gehen kann man in Camps Bay nicht wirklich, der Atlantik ist einfach viel zu kalt, aber dazu kommen wir später nochmal...

Abends haben wir uns dann wieder alle in der Long Street getroffen. Zuerst waren wir in einem kleinen Club in dem lokale Raper sich zum Besten geben konnten. Nachdem die Meisten allerdings nicht die größten Rapfans waren ist einer nach dem anderen in die gegenüberliegende Bar gegangen. Einige sind dort geblieben und ein paar (unter anderem ich) sind in einen anderen Club wo wir am Ende bei Clubschließung vermutlich die einzigsten Weißen unter vielen Schwarzen waren. Ich hab mich aber echt sicher gefühlt, da ich absolut nichts dabei hatte. Eine der Volunteeurs war allerdings zu dicht um zu merken, dass jemand ihre teuere Digicam geklaut hat...

In Deutschland wird es kalt, die Glätscher sind schon längst geöffnet und das macht mich ziemlich neidisch. Aber zum Glück sind die Südafrikaner erfinderisch und so sind wir (Philipp, Anil, Jonny und ich) am Sonntag Sandboading gegangen. Die Ähnlichkeit zum Snowboarden ist verblüffend. Ich habe allerdings meine festen Schuhe mit der Bindung vermisst, oh und ein Lift wär natürlich auch geiler gewesen. Aber trotzdem war es ziemlich geil. Nachdem wir vom reinen Freeriden genug hatten, haben wir nen kleinen Kicker gebaut, was die Motivation zum Düne hochlaufen schlagartig wieder gesteigert hat. 2 Tage später hab ich übrigens immer noch irgendwo Sand gefunden. Am nächsten und letzten Tag in Kapstadt ist Jonny Shark Cage Diving gegangen. Das hat mich für über 100 Euro jetzt aber nicht so angemacht und so hab ich Philipp in seinem Projekt besucht. Er arbeitet in der Deutschen Internationalen Schule, nicht weit vom Stadtzentrum, und ist dort hauptsächlich zur Unterstützung der Grundschullehrer und der Nachmittagsbetreuung da. Er war echt froh mit dem Jonny bisschen English zu reden, weil man sich dort echt wie in Deutschland fühl. Die Kinder sind hauptsächlich muttersprachlich Deutsch und machen in der 2/3 Klasse Sachen, die wir (in Lily) in der 4/5 machen. Für nachmittags waren dann top Wellen angesagt und so sind wir runter zur Long Street gefahren um ein Board zu mieten. Glücklicherweise kennt Philipp den Besitzter so gut, dass wir keine 100 Euro Pfand bezahlen mussten, da wir weder viel Cash noch ne Bankkarte dabei hatten. Mit dem Taxi gings dann wieder nach Camps Bay. Normalerweise surft man mindestens einen 5mm Neopren in Camps Bay, ich hatte allerdings nur meinen 2 bis 3 mm Neo und sonst nichts. Nach nur ein paar Minuten Surfen war ich ein Eiszapfen und die riesigen Wellen haben nicht dazu beigetragen, dass ich mich wohler gefühlt habe. Und jedes mal wenn der Kopf unter Wasser gerät kriegt man nen üblen Schmerz auf der Haut. Die Nordsee ist verdammt warm dagegen. Aufgrund dessen, war die Session nicht gerade lang, aber wir hatten trotzdem unseren Spaß.

Am Dienstag den 18. war dann leider schon unser Rückflug (Der Flug war deutlich billiger als wenn wir mit dem Auto zurück gefahren wären). Aber das Beste war, wir wurden von unserem Boss höchst persönlich abgeholt, welch eine Ehre!

Was für ein Roadtrip, soviel gesehen, soviel erlebt und ne Menge Spaß, ich freu mich jetzt schon auf den nächsten Trip!!!