Die Sommerferien sind vorbei und der Schulalltag kehrt so langsam wieder in Lily ein. Obwohl es diese Ferien kein organisiertes Ferienprogramm gab, wurde es uns Volunteers eigentlich nie so wirklich langweilig, es gibt hier eigentlich immer was zu tun. Und selbst wenn mal absolut keine Arbeit ansteht, hab ich dass Gefühl, dass es einfach nicht langweilig werden kann hier in Lily, da man immer irgendetwas mit den anderen Volunteers, Kindern oder Staff machen kann.

Das neue Jahr hat einiges Neues gebracht: In Lily haben wir 2 mehr oder weniger neue Volunteers bekommen, Julia aus Deutschland und Penny aus Amerika, die vor nicht all zu langer Zeit schon mal ein halbes Jahr hier war. Zum Community Center kam Simone aus Deutschland, die ebenfalls schon mal in Lily war. Besonders gefreut hab ich mich aber über 2 gleichaltrige Jungs aus LA mit denen ich in ihren nächsten 3 Monaten bestimmt nen Haufen Spaß haben werde. Dave's Familie ist jetzt auch wieder ziemlich erschöpft aus den USA zurück und nachdem zeitweise nur 2 Mädels im Com Center gewohnt haben, wird da jetzt auch wieder gearbeitet ;-)

Außerdem haben wir (Lily und Com) ein brandneues Auto bekommen, einen Buggy von Tarta. An statt von ner Rückbank und nem Kofferraum befindet sich dort ein riesiger Kasten mit einem unglaublichen Ladevolumen. Das Auto hat einen großen Aufdruck: „Food“. Es wird also hauptsächlich für Essenseinkäufe, Spendeneinsammeln und Food Parcels verteilen benutzt. Leider haben die da den schwächsten Motor den ich je gesehen habe reingebaut und so hatte Musa schon einige Probleme überhaupt irgendwelche Steigungen rauf zukommen, nachdem er etwa 2 Tonnen Food Parcels geladen hatte.

Des weitern wird der Überboss Ken mit seiner Familie schon bald in unsere Nachbarschaft ziehen. Ein Teil vom Tala Game Reserve gehört Lily und dort lässt er sich momentan nen kleines Häuschen renovieren. Das Vorhaben stößt hier auf gemischte Gefühle, vor allem weil er grad ALLE Arbeiter für sein Häuschen beansprucht. Und so wurde auch schon ich als Elektriker rekrutiert und habe Leitungen gelegt, Steckdosen und Schalter angeschlossen.

Eine viel positivere Neuigkeit ist, dass wir anscheinend endlich finanzielle Unterstützung bekommen können um eine eigene Schule bauen zu können, die dringend nötig ist, bei den miserablen Schulen hier. Aber das ist alles noch sehr in den Kinderschuhen, mal schauen wie sich das entwickelt.

Interessant find ich die Sache, wie sich das mit unseren 2 neuen Kids entwickelt. Eines Tages stand ein 14 jähriges Mädel, die vermutlich von ihrer Familie vergewaltigt wurde, mit irgendeinem Sozialarbeiter vor der Tür. Das war vor knapp 2 Wochen. Eigentlich sollte der für sie verantwortliche Sozialarbeiter am letzten Montag auftauchen, aber anscheinend hat der sich ein paar Tage extra freigenommen. Da wir eigentlich kein Platz für ein älteres Kind haben, weiß gerade keiner was mit ihr passiert, vielleicht geht sie nach Makaputu (das andere Waisenheim^^), da dort sowieso eher ältere Kids sind. Naja auf alle Fälle fehlts ihr nicht an Selbstvertrauen und da sie gerade noch nicht in die Schule geht, hängt sie den ganzen Tag in Lily rum und führt sich auf als würde sie hier schon immer leben. Nicht immer einfach...

Unser zweiter Neuzugang ist nen kleiner 1-2 jähriger Junge. Verdammt süß nebenbei. Auf alle Fälle wurde er ausgesetzt von der Polizei gefunden und wurde mitten in der Nacht vor einer Woche hier her gebracht. Da man vermutlich nie rausfinden wird woher er kommt, wird er wohl erstmal bei uns bleiben und das obwohl wir eigentlich eine Warteliste haben.