11 Monate...

Kurz nach meinem letzten Rundbrief war es endlich so weit. Die SAAF (South Africa Air Force) hat uns zu einem zweiten Flugversuch gerufen, nachdem beim ersten Mal, im April, uns die Vizepräsidentin den Helicopter weggeschnappt hat. Das sind eben die Vorzüge in einem Kinderheim mit lauter „armen, schwarzen Waisen“ zu arbeiten. Als wir Morgens ankamen, war der Heli aber auch erstmal weg. Instrumentenflugtraining südlich von Durban. Nach einer ewigen Warterei, die hauptsächlich mit Spielen und Süßigkeiten überbrückt wurde, kam der Heli zurück und etwas später sind dann auch unsere Piloten eingetroffen. Ich bin dann sofort mit der ersten Gruppe von Zwei mitgeflogen. Während des Fluges wollte ich dann die Tür öffnen, da ich mich vom letzten Mal noch erinnert habe, dass sie erwähnt haben, dass sie auch mit „Touristen“ mit offenen Türen fliegen. Leider war der Commander gar nicht angetan von meiner Idee, vermutlich wegen den ganzen Kindern... Nach einem Schwenker über Durban's Innenstadt und einem Tiefflug am Strand entlang ging es dann wieder zurück zur Base. Es war echt lustig die Kids zu beobachten. Vor allem ein paar Kleineren war die Angst im Gesicht geschrieben, andere waren total begeistert und haben bei jeder Kurve gejubelt. Trotzdem hat es dem Peter (bin mir gar nicht so sicher ob der Name schon mal gefallen ist, naja wir haben gerade 7 Volunteers die nur so 1-3 Monate da sind) und vor allem mir vermutlich am Meisten gefallen.

Die Tage war Toby dann mit ein paar Jungs in Durban um Sharks Spieler und Nationalspieler von SA zu treffen. Falls jemand noch nicht weiß wovon ich spreche: Rugby! Auch hier war es wohl Toby, der sich am Meisten gefreut hat, da er auch in England Rugby spielt und daher einige Spieler „kennt“.

Nächsten Mittwoch habe ich gerade Homeworkclub gecancelt. Mein Plan war nämlich an meinem Geburtstag mit all dem Staff und den Volunteers Nachmittags ein Braai zu haben. Und heute hat mir Warren zugestimmt, dass das eine höhere Priorität hat als Homeworkclub ;-)

Am nächsten Samstag werde ich dann zusammen mit Nana (Preschool teacher vom Community Center, die auch am 5. August Geburtstag hat) ne kleine Party veranstalten. Eingeladen sind nur unsere engsten Freunde, darunter befinden sich keine Volunteers...

Hmm was gibt es sonst so aus Südafrika zu erzählen? Nach so einer langen Zeit geht einem echt der Stoff aus und man weiß nichtmehr über was man schreiben soll. Die Kids hatten Ende Juni bis Mitte Juli Ferien und wir haben Hollidayclub veranstaltet. Aber wenn man nicht gerade Helicopter fliegen geht ist das hier mittlerweile ganz normaler Alltag geworden, über den es schwer ist viel zu schreiben.

Hmm vielleicht kann ich bisschen über Zulus erzählen, von denen hab ich irgendwie noch nie so wirklich geschrieben. Wie man vielleicht schon rauslesen kann, bevorzuge ich grad eher meine freie Zeit mit Leuten von hier zu verbringen (damit mein ich nicht Warren oder Ken, die versuch ich eher zu vermeiden). Nicht das ich irgendwas gegen die neue Gruppe von Volunteers habe, aber da die meisten nur ein paar Wochen hier sind, lohnt es sich fast nicht, sie richtig kennen zu lernen. Seit ich hier bin, hab ich schon knapp 30 verschiedene Volunteers getroffen. Manchmal denk ich mir dann auch, arme Kinder. Die Kids sehen dir Volunteers nur so kommen und gehen und jeder Volunteer versucht ihre besten Freunde in dieser kurzen Zeit zu werden. Das ist nur ein Grund warum die Kids hier, nicht gerade eine normale Kindheit haben. Ein paar Kids, vor Allem von den Älteren, versuchen Volunteers erst garnicht an sich ran kommen zu lassen. Andere, vorallem die Schlingel unter den Kindern, versuchen die ständig neuen Volunteers im Gegensatz eher „auszunutzen“... Aber eigentlich wollte ich ja über Zulus schreiben, da ich meine letzten Days off und auch einige Abende mit Leuten aus Mophela verbracht habe, habe ich gerade in letzter Zeit viel über das Leben im „Township“ und die Kultur der Zulus gelernt.

Vor 20 Jahren wäre ich vermutlich direkt erschossen wurden, wäre ich nachts als Weißer durch Mophela gelaufen. Heutzutage sehen das die Meisten allerdings als ziemlich sicher an, aber auch nur weil die Leute wissen, dass ich in Lily arbeite. In irgend einem anderen Township würde ich vermutlich sofort ausgeraubt werden. Kriminalität/Armut ist hier echt nen großes Problem, ich mein das ist ja nichts neues, schließlich kann man das auch in deutschen Zeitungen lesen, aber was das alles für Auswirkungen hat, auch im Kleinen, kann man sich fast nicht vorstellen. Mädels sind wenn es dunkel wird nichtmehr auf der Straße anzutreffen, Eugine kettet die Hinterachse seines Autos ans Haus, KFC's verkaufen hinter dicken Stahlgittern...

Nichts desto trotz sind die Zulus echt ein nettes Völkchen. Bevor ein Gast hungrig das Haus verlässt, hungert lieber die Familie. Nach ungefähr einer Minute bei irgend jemandem zu besuch, hat man ohne fragen, oder gefragt zu werden, etwas zu trinken vor sich. Auch wenn man mehrfach betont, dass man später daheim essen wird, kommt man nicht drumherum auch etwas zu essen. Und üblicherweise kriegt der Gast die größte Portion und idealerweise sollte man diese auch aufessen. Was die Kartoffel für die Deutschen ist, ist Maismehl für die Zulus. Ich könnt mich nicht erinnern irgendetwas ohne Maismehl in irgendeiner Art gegessen zu haben. Ich hab auch schon von Geschichten gehört, wo z. B. Ziegengehirn gegessen wird, glücklicherweise wurde ich von so was bisher verschont.

Als ich die Tage mit Njabulu Billard spielen gegangen bin, hat er mich seiner kompletten Familie vorgestellt. Von Njabulus Mutter hab ich eine große Umarmung und ein lautes Hallejulia bekommen. Ich könnt mir gut vorstellen, dass ich einer der ersten weißen Gäste in ihrem Haus war, und anscheinend war sie davon sehr angetan...