1/4 ist rum. Die Zeit vergeht hier echt wie im Flug, und trotzdem hab ich das Gefühl ewig hier zu sein. Momentan sind wir noch 11 Volunteers, doch heute geht die Erste (Carissa, die nur 2 Monate hier war), und am 20. Dezember sind wir dann nur noch 5 (Palmer, Rosa, Lauren, Ben und ich). Und von denen bin ich wiederum der Letzte der geht.

Wir befinden uns gerade mitten in den Weihnachtsvorbereitungen. Nicht gerade meine Lieblingszeit.

Jedes Kind muss für seine Sponsoren (das variert zwischen 1 bis 5) Weihnachtskarten gestalten, bis wir alle durch hatten, ist bestimmt ne Woche vergangen. Die Kleinsten haben mit Fingermalfarbe ihre Karten gestaltet, die jüngeren Schulkinder haben einen kurzen Text von der Tafel abgeschrieben und die Älteren sollten ihre Karten komplett selber gestalten. Wie gesagt, jedes Kind hat einen oder mehrere Sponsor, der für das Kind alles bezahlen, was hauptsächlich Essen und vor allem Medizin ist.

Des weiteren sind wir mit unseren Teenagern am vorletzten Samstag zu unserer Kirche in Pietmarietsburg gefahren, um hunderte Geschenkboxen zu verpacken, die Kinder bekommen, die normalerweise nichts an Weihnachten bekommen. Unserer Teenager haben geholfen die Boxen mit Süßigkeiten, Stiften, Radiergummies, Zahnbürsten und Zahnpasta zu füllen.

Wo wir schon grad bei der Kirche sind, nächsten Sonntag werden unsere Kinder ein Grippenspiel im Gottesdienst vorspielen, dafür wird jetzt schon fast täglich geprobt und wir fahren immer öfters jetzt direkt nach Pietmaritsburg um vor Ort zu proben.

Ich bin außerdem die Tage mit den Vorschullehrern vom Community-Center ins Herz von Durban gefahren, um für etwa 50 Nicht-Lily-Kids (die auch die Pre-school im Community-Center besuchen) Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Zur Verfügung hatten wir etwa 100 Euro. Das hat uns zu den verrücktesten Spielzeugläden geführt. Ich war in einem Umkreis von einigen Kilometern vermutlich der einzigste Weiße und das mitten in der Stadt. Auf Grund dessen wurde ich öfters gefragt ob ich in dem Laden arbeite ;-) Nach genauem Preisvergleich hatten wir schließlich 3 schwarze Mülltüten voller Spielzeugs. Bevor wir wieder zurück nach Lily gefahren sind, haben mir die Preschoolteacher noch eine „Südafrikanische Spezialität“ gezeigt: Schwarma! Ist ziemlich ähnlich zu einer türkischen Jufka nur mit Hühnchenfleisch. Schwarma ist jetzt glaube ich mein neues Lieblingsessen...

Zwei weitere Premieren hatte ich an einem „Day-Off“ vor einiger Zeit.

Zuerst sind Rosa und ich mit einigen vom Community-Center in die umliegenden Townships um Hausbesuche zu machen und Essen und Decken vorbeizubringen. Unterstütz von 3 Einheimischen, waren wir bevorzugt auf der Suche nach armen Familien in der sich die älteren Kinder auch um die jüngeren kümmern müssten. Solche Eindrücke von der Bevölkerung um einen drumherum kriegt man normalerweise nicht. Die meisten leben in kleinen provisorischen Hütten mit meist nicht mehr drin, wie ein paar Matrazen und ner kleiner Kochecke. Mit dem Hintergedanken, dass wir längst nicht in den Ärmsten Townships waren, war das schon erschreckend. In den Townships wo wir waren, ist es außerdem durchaus möglich, dass direkt neben einer schäbigen Hütte nen kleines Häuschen mit TV, DVD-Player, ner ordentlicher Küche und Innenausstattung steht.

Nachmittags sind dann Carissa, Rosa und ich nach Durban gegangen um im Victoria-Street-Market ein paar Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Das ist an sich ziemlich unspektakulär, da sich dorthin auch einige Touristen verirren. Doch wir sind zum ersten Mal mit den weißen Minibussen gefahren (anstatt mit unserem Spritfressenden 4x4 Condor). Diese sind leider immer noch reine Transportmittel für Schwarze. Manchmal könnte man sich echt denken, dass man noch mitten in der Apartheid lebt. Ich kann mich echt nicht erinnern, jemals einen Weißen in so einem Massentaxi gesehen zu haben. Die Taxifahrer sind übrigens die Verrücktesten^^ und oft sind die Taxen ziemlich überladen...Naja wie dem auch sei, es sind 30 Rand (2,5 Euro) nach Durban und zurück, einfach ein unschlagbarer Preis und so werden die Taxen auch vor allem zum Pendeln zwischen den Townships und Durban verwendet. Bevor es losging, hat uns Dave vom Community-Center (wer noch nich weiß, wer Dave ist, kann das auf Bens Blog nachlesen http://benclark06.blogspot.com/2008_11_01_archive.html) noch seinen Elektroshocker mitgegeben und Warren hat uns am nächsten Taxirank rausgeschmissen. Wir mussten zwar knapp eine halbe Stunde warten, bis das nächste Taxi nach Durban gefahren ist, allerdings waren von 15 Sitzplätzen nur 9 belegt, was ziemlich komfortabel war. Irgendwann während der Fahrt werden die 15 Rand eingesammelt. Das Geld wird einfach durchs Taxi durchgereicht, zum Beifahrer, der das Geld einsammelt und das Wechselgeld ausgibt, welches wiederum auch durchs ganze Taxi wandert und jeder nimmt sich das was er zurückbekommt oder auch mehr ;-) In Durban gibt es dann hunderte kleine Taxihaltestellen von denen aus die Taxen in die verschieden Townships fahren. Noch auf der Hinfahrt haben wir uns informiert wohin wir gehen müssen um wieder zurück nach Morphela zu kommen. Doch später haben wir rausgefunden, dass nach 5 Uhr aus irgendeinem Grund der Abfahrtsort ein anderer ist, wie eigentlich auf den Schildern steht. Wir standen also am Schild und warteten auf ein Taxi als uns ein Fremder ansprach ob wir nach Morphela wollten. Er meinte dann aber dass wir wo anders hingehen müssen und das er uns dorthin begleiten wird, was den 2 Mädchen ziemlich unheimlich war. Auf dem Weg zum anderen Abfahrtsort fragte er ob wir aus Lily kommen, was ziemlich lustig war (Lily ist halt wahrscheinlich doch der einzigste Ort wo Weiße in Morphela leben). Wie dem auch sei, nachdem wir dann an dem neuen Abfahrtsort waren, ist das Taxi sofort, nachdem wir eingestiegen sind, losgefahren, was ziemlich cool war. 15 von 15 Passagieren war dann glücklicherweise auch nicht zu überfüllt.

Und dann war da noch Thanks Giving am letzten Donnerstag im November (27.) Eigentlich nichts Südafrikanisches, aber da Dave und seine Familie und die Hälfte unserer Volunteers aus Amerika sind, war Thanks Giving auch hier in Lily ein großes Fest. Einige unserer Volunteers haben den ganzen Tag freigenommen um schon morgens anzufangen mit Kochen. Nachmittags haben wir uns dann alle in Daves Haus getroffen (Daves Famielie ist jetzt übrigens für 6 Wochen nach Amerika zurückgeflogen). Insgesamt waren wir 25 Leute. Wir hatten 3 große Truthähne, viele Kartoffelgerichte, ganz viel Nachtisch und noch ganz viel Anderes. Soviel Essen für so wenig Leute ist voll Amerikanisch^^ Ben erklärte mir: „Thanks Giving, da geht's nur um den Wettkampf, wer am meisten essen kann ;-)“ In Wirklichkeit ist es eher ein Dankesfest, das die ersten „Amerikaner“ überlebt haben. Wie dem auch sei, wir haben alle gegessen bis wir nicht mehr konnten und trotzdem hatten wir Tage später noch was davon. Während dem Essen haben wir übrigens Charlie Browns Thanks Giving Folgen angeschaut ;-) Danach haben wir noch stundenlang ein Gesellschaftsspiel gespielt und ich muss sagen, Thanks Giving gefällt mir, sollte man auch in Deutschland einführen...