Halbzeit, oleole!

Und schon einen Monat ohne einen neuen Rundbrief...zum Einem werd ich hier in Lily schon langsam ein alter Hase und es gibt nicht mehr soo viel neues zu erzählen (ich hab mich immerhin jetzt bei Lufthansa beworben) und zum Zweiten ist mir hier einfach nie langweilig genug um einen Rundbrief zu schreiben, da man einfach Tagsüber den ganzen Tag beschäftigt ist und Abends wir Volunteers meistens immer zusammenhocken, sei es nur zum Reden, zusammen essen oder einen Film schaun (mein Haus 21 ist schon längst als Lilys movie theather bekannt. Lily hat einen Beamer, der seinen Stellplatz mittlerweile auch schon in unserem Haus hat. Und mit unserer großen, leeren, weißen Wand und den vielen Sofas toppen wir einfach einige südafrikanischen Kinos in ihrer Qualität, die manchmal echt erschreckend schlecht ist).

Vor 2 Wochen haben wir einen neuen Volunteer bekommen, einen 27 jährigen kanadischen Feuerwehrmann. Er nutzt seinen Monat Jahresurlaub um hier in Lily zu arbeiten. Wie es sich als Feuerwehrmann mit handwerklichem Hintergrund gehört, packt er hier auch richtig an und ist von Morgens bis Abends am körperlich hart Arbeiten. Momentan renoviert er unsere Holzhütte für die Mädels, bei dem Gift und ich auch fleißig helfen.

Am Sonntag bevor Andrew kam haben wir übrigens unseren Neujahresvorsatz in die Tag umgesetzt. Als ich kam war mein Haus schon ziemlich dreckig und bisher haben wir nur das Nötigste geputzt. Doch an dem Sonntag haben wir von 13 Uhr bis 1 Uhr morgens am Stück geputzt und haben dafür sogar Kirche geschwänzt. Jetzt ist echt alles sauber, was man sich nur so vorstellen kann.

Nachdem die eine Hälfe Volunteers gerade aus Mosambik zurückgekommen sind, wird morgen die andere Hälfte nach Kapstadt fliegen, ebenfalls für knapp 2 Wochen. Da Andrew allerdings auch etwas von Südafrika sehen sollte bin ich mit ihm alleine letztes Wochenende erneut nach St. Lucia gefahren. Am Freitag haben wir uns einen wunderschönen blauen Chico (Golf 1) gemietet und sind dann Abends um 6 nachdem alles erledigt war Richtung Norden gefahren. Auf dem Weg dorthin, haben wir uns noch von den Deutschen Mädels vom Community Center verabschiedet, die mittlerweile schon auf Reisen sind um anschließend Heim zu fliegen. Angekommen sind wir in St. Lucia erst um 10 da es uns auf dem Weg dorthin echt fast eine Stunde gekostet hat einen Kaffee zu finden ;-) Aus irgend einem Grund schließen alle billigen Unterkünfte, wie Backpacker, schon ziemlich früh am Abend. Dem zu Folge war unsere Bettsuche ziemlich erfolglos. Das hat uns aber auch erstmal nicht größer gestört, da wir uns auf die Suche nach Krokodielen und Nilpferden, die dort frei herumlaufen, gemacht haben. Leider konnten wir keine Nilpferde finden und so haben wir einfach an einer Stelle geparkt die für uns ideal für Nilpferde aus sah, mit dem Hintergedanken, dass wenn wir aufwachen vielleicht Nilpferde um uns herum sind. Und so kam es dann auch, kurz vor 4 haben ein paar Nilpferde nicht weit entfernt von uns das frische Grad genossen. Nachdem wir denen bisschen gefolgt sind, haben wir uns auf den Weg zum Nationalpark gemacht um für 14 Stunden auf Safari zu gehen. Und wir waren echt erfolgreich, da lass ich aber lieber die Bilder sprechen! Die nächste Nacht haben wir dann allerdings in einer wunderbaren Lodge verbracht. Am Sonntag morgen haben wir einen Abstecher ins Croc Center gemacht um danach eine Runde Schnorcheln zu gehen. Ein Rundum erfolgreicher Kurztrip.

Nach einem halben Jahr ist es jetzt vielleicht Zeit für ein kurzes Resumee:

Um es kurz zu fassen, ich würde es wieder machen. Ich genieße es ungemein, ein komplett anderes Leben zu führen, als ich es in Deutschland gewohnt war. Vom verwöhnten Schulleben zur vollständigen Unabhängigkeit mit all seinen Aufgaben und Pflichten (nur finanziell stimmt das ja noch nicht). Ich fühl mich als wär ich direkt vom Kindergarten aufs Gymnasium gesprungen. Nachdem ich hier jetzt komplett integriert bin und schon weiß wie der Hase läuft, bin ich gespannt was die nächsten 6 Monate bringen werden.

Auch wenn sich das alles ziemlich cool anhört, gibt es einige Sachen, die vor allem in letzter Zeit ziemlich nervig geworden sind.

Warren ist echt nen cooler Boss, doch manchmal hat er einfach ein paar komische Ansichten, die bei uns Volunteers nicht gerade auf Freude stoßen. So sollen wir manchmal total sinnloses Zeugs erledigen, während eigentlich wichtige Dinge oftmals vernachlässigt oder nach hinten verschoben werden. Generell ist Prävention und Planung nicht gerade die Stärke von Südafrikanern. Da stoßen einfach zwei Kulturen aufeinander. Und auch der Umgang mit den Arbeitern ist nicht immer einfach. Jemanden in Südafrika zu feuern ist verdammt schwierig und so können die sich es hier einfach leisten faul zu sein, mit Werkzeugen und Autos umgehen, wie sie wollen, einfach ein paar Tage nicht erscheinen, Drogen während der Arbeit konsumieren. Sprich bei uns Volunteers haben sie kein sehr hohes Ansehen, da sie in Europa oder in den Staaten einfach sofort gefeuert werden würden. Doch manchmal erwarten sie, vermutlich aus der Zulutradition, dass Jüngere den Älteren den Hof machen. Und das bringt gerade mich, der am Meisten mit ihnen zu tun hat manchmal echt auf die Palme.

Des Weiteren werden unsere Kids immer größer und immer mehr kommen in ne schwierige Phase. Sogar Leute aus Morphela klagen über die respektlosen Kinder aus Lily. Und das ist gerade in dieser Kultur die großen Wert auf Respekt liegt keine zu vernachlässigbare Aussage. Und gerade wir Nicht-Zulu-Sprechenden, die darüber hinaus noch monatlich wechseln, haben es da besonders schwer. Vor allem weil unsere „schlimmste Bestrafung“ Heimschicken ist, welches ein Großteil der Kids einfach nicht juckt. Nur vor den Hausmüttern haben die meisten Kids Respekt, da diese sie vermutlich schlagen, was wir offensichtlich nicht tun. Ein Sozialarbeiter und Psychologe wäre hier in Lily also ziemlich wichtig, vor allem weil sich manches Verhalten bestimmt mit den schlimmen Erfahrungen, die einige Kids vor Lily gemacht haben, erklären ließen. Aber anscheinend sieht man ganz Oben dafür keine Wichtigkeit. Wie dem auch sei haben wir heute den Großteil der 5-7 Klassen nicht am Homeworkclub teilnehmen gelassen, da sich viele einfach in den letzten Wochen daneben benommen haben und den „braven“ Kids die Möglichkeit nehmen vollständig auf ihre „Kosten zu kommen“. Ich bin echt gespannt wie sich das entwickelt, da auch Warren damit überfordert zu sein scheint.