Eibo, 2/3 ist rum. Und ein ganzer Monat ohne Rundbrief. Man könnte sagen, ich war ganz schön sprachlos, das liegt vermutlich daran, was hier in Lily grad alles so abgeht.

Das spar ich mir allerdings für das Ende des Rundbriefes auf...

Momentan sind wir 4 Volunteers, was allein noch nicht all zu spektakulär ist, allerdings sind es 3 Jungs und nur ein Mädel. Das gab es so noch nie! Wenn man alle Rundbriefe gelesen hat, kann man folgern, dass Lauren, das Mädel welches mit dem Ben zusammen hier hergekommen ist nichtmehr hier ist. Zur Zeit sind es also Julia, Ben, Tim und ich. Tim ist ein ursprünglicher Südafrikaner, der allerdings in den letzten Jahren in England gelebt hat. Er geht allerdings in 3 Wochen wieder. Auch Ben und Julia gehen nächsten Monat schon. Dann bin ich endgültig alleine mit nem Haufen blutiger Anfänger ;-) Falls es möglich ist, überlege ich dann allerdings hoch ins Community Center zu ziehen um dort die letzten 2 Monate nochmal ein bisschen Abwechslung zu bekommen.

Das ist allerdings alles noch in weit entfernter südafrikanischer Zukunft. Was ist also im April geschehen? Neben dem SAAF Besuch (siehe Bilder) konnte ich endlich letzten Samstag mit Kids nach Durban zum Life Check gehen, auf dem hauptsächlich lokale Rapper auftreten. Die Auswahl welche Kinder ich mitnehmen werde war echt verdammt schwer. Sie sollten alt sein, Hip Hop mögen und in letzter Zeit sich einigermaßen gut benommen haben. Im Endeffekt habe ich dann nur 3 Kids mitgenommen und Nana, die im Community Center im Kindergarten arbeitet. Wir hatten alle echt nen Haufen Spaß und nächsten Monat wollen sie auf alle Fälle wieder dort hin!

Zwei Wochenenden davor, Laurens letztes Wochenende, sind wir Freitag Abend mal wieder in die Drachenberge gefahren, diesmal Richtung Sanipass. Am nächsten Morgen wurden wir dann in einem Landrover den Sanipass hoch schuffiert. Nachdem wir an der Grenze zum Königreich Lesotho den Stempel im Reisepass einkassiert haben ging es noch etwas weiter ins Landesinnere wo wir dann auf Pferde umgestiegen sind. Bin ich froh, dass wir im 21 Jahrhundert leben und nichtmehr auf Pferde als Verkehrsmittel angewiesen sind. Erstens, so was wie Servolenkung kennen die Pferde nicht, selbst am Sonntag hatte ich nicht das Gefühl, dass das Pferd macht, was ich wollte. Ganz davon abgesehen, dass es nur unserem einheimischen Führer möglich war unsere Pferde in Galopp zu versetzten. Zweitens nach 5 Stunden insgesamt im Sattel, verteilt auf 2 Tage, tat uns ungefähr alles weh. Der Hintern und die innenseiten der Waden waren das Schlimmste und schmerzten noch Tage danach. Trotzdem hat es verdammt Spaß gemacht durch die entlegene Landschaft Lesothos zu reiten und die Schmerzen kann man dafür echt in Kauf nehmen. Die Nacht haben wir übrigens in einem Dorf verbracht – Lesotho Style. Geschlafen haben wir in einem traditionellen Rundhaus, mit ganz vielen Decken. Eine Familie hat uns mit typischem Essen versorgt, ach ja und es gab weder fließendes Wasser noch Strom (unglaublich wie viele Sterne man sehen kann wenn die Elektrizität einige Kilometer entfernt ist).

Ansonsten läuft hier in Lily alles wie gewohnt, nur das es hier grad immer uncooler wird. Davon, dass ich jetzt Homeworkclub (meine „Lieblingsbeschäftigung“) für Grade 4-7 sozusagen alleine machen muss oder das der neue Volunteer Tim etwas nervt, will ich mal gar nicht reden (allerdings kommt jetzt ab und zu Dave's älteste Tochter Jordan runter um mir zu helfen).

Die Hauptprobleme sind mangelndes Geld, ein überforderter Warren und zu viele Leute mit zu unterschiedlichen Ansichten und Zielen. Da wären Lily's Manager Warren, Lily of the Valley Oberboss Ken, Lily of the Valley Ex-Oberbosse Pat und Noel, die immer noch nicht ganz in Rente sind und Sharon aus den USA, Kopf der Fundraising Gruppe LOVE USA. Alle ziehen in unterschiedliche Richtungen oder es wird versucht sich gegenseitig in den Hintern zu kriechen. Dass es dann kaum vorwärts geht ist kein Wunder. Es ist einfach schade 8 Monate zu sehen wie sich so gut wie nichts verändert. Dabei sehen vor allem wir westlichen Volunteers so viele Sachen, die man verbessern könnte.

Warren sehen wir Volunteers auch immer mehr als Problem an. Für viele Sachen kann er nichts, da ihm einfach keine personelle Hilfe von oben gegeben wird (Geldproblem) und er sagt auch selber, dass er eigentlich kein Manager ist. Aber auch Umgang mit den Kids, mit uns Volunteers oder auch so Sachen wie Geld sparen sind nicht seine größten Stärken.

Am akutesten brauchen wir meiner Meinung nach einen Psychologen, den es zur Zeit auch aufgrund Geldmangels nicht gibt. So viele Kinder haben hier nen Knacks, was verständlich ist, wenn man weiß was einige Kids schon durchmachen mussten in ihrem Leben. Da reicht auch nicht die Liebe aus, die wir ihnen geben oder die vielen Gebete, auf die sich vor allem Warren gerne verlässt.

Wie dem auch sei, dieses Wochenende ist hier wohl das schlimmste passiert was man sich vorstellen kann. Einer unser älteren Jungs hat mit Hilfe seines Rollers einen Erstklässler (männlich) runter nach Tala gelockt und ihn dort dann unbemerkt vergewaltigt. Natürlich waren genau an diesem Tag Julia, Tim und ich hier völlig alleine. Geschockt und ziemlich ratlos ist Julia mit ihm dann zum Doctor gefahren, da er über ziemliche Schmerzen am Hintern klagte. Während sie beim Doctor waren, haben mich ein paar andere Jungs in ihr Haus gerufen, wo mir dann der nächste Grundschüler erzählt hat, dass ihn der gleiche Junge die Woche davor zu Oralsex gezwungen hat, er es aber bisher absolut niemandem erzählt hat, weil er zu viel Angst hatte (übrigens ist vom gleichen Jungen schon eine Vergewaltigung in 2007 bekannt). Seit diesem Freitag sitzt der Täter also in seinem Haus, wo er auch besser bleibt, bis er abgeholt wird, sonst könnt er ein blaues Auge von mir bekommen. Wohin er genau geht weiß ich nicht, allerdings kenn ich nen anderen Fall, wo ähnliches passiert ist und der Junge hat glaube ich nen nicht allzu schlechtes Leben, was nicht gerade aufbauend ist. TIA