Nicht mal mehr 5 Monate, dann bin ich schon wieder in Deutschland, komischer Gedanke, dass dann der Ernst des Lebens anfängt.

Die letzten 2 Wochen waren ziemlich ereignisreich, denn Warren unser Boss, war mit seiner Frau (Sungmin) im Urlaub.

Viel Stress, nen Haufen Krankheiten und nen erschöpfter Ben. Das fasst es ganz gut zusammen. Ich fang mal mit dem Ben an. Warren hat ihn als Koordinator für die 2 Wochen ernannt. Ich glaube der Plan war, dass wir Volunteers das zusammen meistern und Ben lediglich einen Überblick über die jeweiligen Tagesaufgaben hat und im Office sitzt um das Telefon zu beantworten. Tatsächlich wurde er nach den ersten paar Tagen, von fast allen, als der neue Boss angesehen. Das führte dazu, dass egal um was es sich gehandelt hat sich alle auf Ben gestürzt haben. Die Frage „Wo ist Ben“ hab ich bestimmt tausendmal gehört. Und ich bin froh, dass ich diese Frage nicht mehr hören muss, wenn Warren wieder da ist. Anscheinend wurde gedacht, dass ich die kleinsten Dinge nicht mehr entscheiden kann und das jetzt alles Bens Aufgabe ist. Ben war dann leider nicht der, der die Verantwortung wieder verteilt hat, sondert hat alles auf sich geladen und sich gnadenlos überarbeitet. Ich glaube so gut wie keine Mittagspause hat er sich gegönnt und 1 ½ Wochen ohne Dusche sprechen für sich, wenn er abends immer zu müde dafür war.

Dazu kam, dass Lily von Krankheiten nur so heimgesucht wurde. Alle Volunteers haben mit ihrer Gesundheit gekämpft und dummerweise lag ich fast die erste Woche komplett im Bett, nachdem das Camp meiner Gesundheit vermutlich nicht geholfen hat. Lediglich für den ein oder anderen wichtigen Driving Job hab ich mich aufgerafft. Das Schlimmste war aber wohl, dass ein 3 jähriger Junge bakterielle Meningitis bekommen hat. Dank den katastrophalen medizinischen Verhältnissen hier war uns mehrere Tage nicht bekannt ob es sich um den hochinfektiösen Typ von bakterieller Meningitis gehandelt hat. Zum Glück hat es sich als für uns harmlos herausgestellt und der Junge wird morgen (nach 12 Tagen) wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Falls es sich um den „schlimmen“ Typ gehandelt hätte, hätte ganz Lily eigentlich am ersten Tag Medizin bekommen müssen, aber das wird hier in Südafrika wohl nicht so erst genommen. Das Herz ist uns fast stehen geblieben als nur einige Tage (damals wussten wir noch nicht um welchen Meningitis Typ es sich genau handelt) nach dem ersten Fall, 2 Jungs aus dem gleichen Haus am gleichen Morgen fast die gleichen Symtome hatten. Das hat sich zum Glück allerdings alles als harmlos herausgestellt und der Meningitits-Spuk ist jetzt endlich vorbei.

Zusätzlicher unnötiger Stress kam vom Staff und den Kindern, da ungefähr jeder ausnutzten wollte, dass der Boss gerade nicht da ist. Gerade mit unseren Nachbarn, Haus 20, den älteren Jungs haben wir uns besonders herumgeärgert. Generell waren die Kinder nochmal krasser drauf wie sie sowieso sind. Ben hat mittlerweile fast aufgegeben irgendjemand zu bestrafen. Nach wie vor haben wir Volunteers ein großes Respektproblem mit den Kids und alle Volunteers die zum zweiten Mal hier sind, sagen, dass es viel schlimmer geworden ist, seit dem letzten mal. Ich hoffe es liegt nicht an uns sondern an den älter werdenden Kids im schwierigen Alter. Die Einstellung ist einfach teilweise: Was will mir der Volunteer sagen, der ist in ein paar Monaten eh wieder weg. Das Hauptproblem ist allerdings einfach, dass wir Volunteers und sogar Warren nicht Zulu, ihr Muttersprache, sprechen!

Gestern mussten Ben und ich zusätzlich mal wieder unseren freien Tag opfern. Ben musste mal wieder ein krankes Kind zum Doctor fahren und am morgen ein Haufen Bilder von Kindern machen, die von unserem Oberboss Ken angefordert wurden. Ich habe 10 Kinder wieder auf ein Camp gefahren, was insgesamt ein 2 Stunden Trip war. Als ich wieder zurück kam stellte sich raus, dass eine Hausmutter die Medizin für ein Kind vergessen hat. Ein anderes Kind hatte nicht die komplette Medizin.

Bei der Medizin handelt es sich um ARV's, Aids unterdrückende Mittel. Morgen und Abends um genau halb 7 müssen die infizierten Kids Unmengen von Tabletten schlucken. In einem Monat darf man höchstens 3 Dosen verpassen. Verpassen heißt bei ARV's, schon um einige Minuten zu spät. Sprich verpasst man die Dosis mehr als 3 mal um nur einige Minuten nimmt die Effizient rapide ab. Funktioniert so ähnlich wie die Anti-Baby-Pille nur mit weniger Spielraum. Den Kindern wird gepredigt: Nehmt ihr nicht eure Medikamente, sterbt ihr! Klinkt hart ist aber so.

Dementsprechend war es gestern ein Chaos als Medikamente vergessen wurden. Das eine verantwortliche Mum nicht erreichbar auf einer Beerdigung war machte die ganze Sache nicht leichter. Nach Stunden hin und her Rennerei und Dreifachchecken, dass es auch die richtige Medizin für das Kind ist musste ich mich also nochmal auf den Weg zum Camp machen. Überspitzt könnte man sagen: Ich hab mal wieder ein Leben gerettet ;-)

Glücklicherweiße kommen heute Warren und Sungmin wieder zurück und so fantasieren Ben und ich nach diesen 2 Wochen über unseren Trip zu den Victoriawasserfällen.