Gestern war wohl einer meiner schwersten Tage in Suedafrika, ich beneide echt nicht meine Zivikollegen in Deutschland, die mit dem Krankenwagen rumfahren. Ich bin gestern (5. Dez) Nachmittags gegen 3 Uhr alleine in unserem langsamen Kia Pregio vom Tanken heimgefahren. Genau an der Grenze zwischen dem Township Sankontshe und Morphela bin ich einem Buggy hinterhergefahren, den ich mit nem anderen Auto sicherlich schon frueher ueberholt haette...

Wie dem auch sei, vor uns lag ein steiler Berg, fuer den man vor allem mit dem Pregio viel Schwung braucht um ihn zu schaffen. Am Berganfang stand ein Sprinter auf der anderen Fahrspur und genau in dem Moment indem das Auto vor mir den Sprinter passierte kam ein Mann hinter dem Sprinter hervor der nicht auf die Strasse guckte. Es kam mir vor als saeh ich das alles in Zeitlupe, wie in einem dieser Crashtest wo ein Dummy von einem Auto ueberfahren wirst. Und genau so sah es auch aus. Erst volle Kanne gegen die Motorhaube und dann wurde er ziemlich durcheinander durch die Luft gewirbelt. Absolut keine Chance fuer den Fahrer, das ich sicher. Allerdings habe ich mich spaeter an meine Fahrschule erinnert, dort hat man gelernt, dass man an der Seite stehenden Busse hoechstens mit Schrittgeschwindigkeit ueberholen sollte. Wir hatten wohl etwa 80 drauf.

Ziemlich planungslos, was tun und nicht mal irgendeine Notfallnummer im Kopf , bin ich erstmal ausgestiegen und es war kein schoener Anblick. Es war ein etwa 20 jaehriger Mann mit nem ziemlichen Loch im Hinterkopf. Seine Kumpels, waren allesamt betrunken und oder bekifft und hatten genau so wenig ne Ahnung was tun, wie ich. Einer kam zu mir und meinte sinngemaes: „Warum hast du angehalten, die Kuh vor dir hat ihn ueberfahren, nicht du“ Das beschreibt die Situation hier in Suedafrika ziemlich gut, hier gehoert es echt zum Alltag, dass Leute ueberfahren werden. Fussgaenger auf der Autobahn sind nichts besonderes und alle paar Wochen sieht man jemandem am Fahrbahnrand liegen.

Ich hab dann Warren angerufen um zu fragen was tun, er hat mir dann eine Notfallsnummer gesagt, doch kaum hat ich aufgelegt, haben sie den Mann in das Unfallauto getragen, damit der Unfallfahrer zum Krankenhaus faehrt (Ich glaub ich waer nicht in der Lage gewesen es unfallfrei zum naechsten Krankenhaus zu schaffen). Einen ausrueckfaehigen Notfallkrankentransport gibt es hier so gut wie nicht und anscheinend wird bei sowas hier auch nicht die Polizei gerufen. Als alles vorbei war, kamen zufaellig einige vom Community-Center vorbei die mich dann heimeskortiert haben, wo ich erstmal mit nem Glas Cola auf der Couch landete.

Das der Mann es bis ins Krankenhaus geschafft hat bezweifle ich stark, er hat zwar noch in irgendeiner Weise gezuckt. Aber bei der Aufprallgeschwindigkeit, dem Krankentransport ohne Arzt und dem viel zu weitem Weg ins naechste Krankenhaus...Und ob die besoffenen Kollegen die mitgefahren sind, spaeter nicht Selbstjustiz veruebt haben ist die naechste Frage. Viele Fragen, wenig Antworten. Willkommen in Suedafrika! Oder wie wir immer sagen: TIA!!! (This is Africa)

Mein herzlichstes Beileid der Familie des mir unbekannten Mannes!